Online-Reputation: 123people und die deutsche Privatsphären-Kontroverse

Im Juli schrieb ich bereits zum jüngst entschiedenen Urteil zur Bilderanzeige im Rahmen einer Klage gegen die Personensuchmaschine 123people. Da entschied das Hamburger Landgericht, dass die Klage einer Frau zwar zulässig war, aber unbegründet sei. Das Gericht stützte diese Entscheidung auf das Urteil aus April 2010, worin der BGH eine wegweisende Entscheidung im Zusammenspiel von Google-Thumbnail-Anzeige und Urheberrecht vorgab.

Nach diesem „Sieg“ für 123people, meldete sich nun der CEO Russel E.Perry über den hauseigenen 123people-Blog zu Wort und lässt dort verlauten: „Man darf sich nicht in einer Höhle verstecken und trotzdem Kommunikation erwarten.“(CEO Russel E.Perry). Und beschwert sich damit über die Masse an deutschen Klagen gegen 123people. Immerhin 10 Millionen von 40 Millionen Klagen weltweit stammen aus Deutschland, dabei ist 123people in bereits 12 Ländern mit der Personensuchmaschine online.

„Nehmt die neue Realität an – und lasst sie für euch arbeiten!“

Das rät der 123people CEO nun den deutschen und baut damit vermutlich auf die verstärkte Nutzung diverser Maßnahmen zur individuellen Online-Reputation. Ob dies nur für Personensuchmaschinen gilt oder auch für das neue Street View Angebot von Google? Soll man auch diese neue 360Grad-Realität annehmen und für sich arbeiten lassen?

Selbst dem Techcrunch war das einen Artikel wert und auch dort stufte man die Entscheidung des Hamburger Landgerichts für weg- und zukuftsweisend ein.

Scheint also, als müsste man sich in Deutschland viel mehr Gedanken um das Thema qualitative Online-Reputation machen als darum, wie man die „Machenschaften“ der Personensuchmaschinen bekämpft.

Wie steht ihr zu Personensuchmaschinen? Habt ihr euch damit schon einmal beschäftigt? Sucht ihr euch regelmäßig selbst? Oder legt ihr darauf erst gar keinen Wert?

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Jasmina

Wer schreibt hier? Jasmina

Hi! Ich bin Jasmina, die Autorin von onlinelupe.de. Seit 2010 schreibe ich hier über digitales Arbeiten und Selbständigkeit im Internet.

3 Kommentare

  1. Sehe das auch so wie Herr Russel. Wir können nicht erwarten, dass wir uns jeden Tag Informationen nehmen, wenn wir auf der anderen Seite aber gegen eine Veränderung sind.
    Der Nachrichtensprecher des SRW hat gestern in der Tagesschau um 22:30 zum Thema Street View so schön gesagt, dass die Deutschen von allen am häufigsten den Urlaubsort auf Google Maps und über die Bildersuche suchen, gleichzeit fordern sie aber das Recht für die Privatsphäre ihrer Hecke ein. Da kann irgendwas nicht ganz stimmen.
    Niemand verlangt, dass man people123 die Kontodaten aushändigt oder sonstige Angaben liefert, die man nicht einmal dem netten Nachbarn verrät, im Gegenzug sollte man dann aber nicht das Meckern anfangen, wenn man die neue Liebe auf people123 nicht findet.
    Geben nein – Nehmen? Immer her damit!

    Schrechlich diese Einstellung

  2. Hi Jasmina,
    Personensuchmaschinen habe ich schon genutzt, mit mehr oder weniger guten Erfolgen. Und wie in den vorigen Kommentaren zu dem Thema muss ich zustimmen zu dem, was Mr. Russell schreibt. Ich glaube dieses typisch deutsche Spießbürgertum ist völlig ambivalent zum Internet. Man will es zwar nutzen, und möglichst viele Informationen über die sexuellen Vorlieben seines Nachbarn heraus finden, aber selber hetzt man die Hunde los, wenn ein StreetView-Wagen durch die Straße fährt… (also bildlich gesprochen, nöö)

    LG Peter

  3. Paradox ist, dass wir einerseits ganz „geil“ darauf sind uns in der Öffentlichkeit zu zeigen. Wir sind stolz, unseren Namen in der Zeitung zu lesen und wenn unser Foto auf irgendwelchen Partyportalen erscheint. Auf Facebook teilen wir so uns so alles mit jedem und freuen uns, dass wir 874 „Freunde“ im www haben. Andererseits sind wir dann überrascht, wenn Suchmaschinen ein mehr oder weniger konkretes Bild von uns erstellen und quasi „Persönliches“ mit einem Klick zum Vorschein bringen. Das ist Paradox und naiv. Wir sind kommunikativ und verbringen mehr und mehr Zeit online. Wenn wir intelligent mit unseren Daten umgehen, müssen wir uns auch vor Suchmaschinen nicht fürchten.

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