Die neue Facebook Chronik für Fanpages

Facebook Fanpage Timeline

Suchen Sie sich schon mal einen Grafiker. Am 29. Februar soll es so weit sein. Facebook schaltet die Chroniken auch für Fanpages frei. Langsam ist es also an der Zeit, sich Gedanken über die richtige Verwendung dieses neuen Features zu machen. Die Fanpage im Timeline-Design kann, wenn sie richtig gestaltet und betreut ist, zu einem emotional und optisch ansprechenden Erlebnis für die Besucher der Unternehmensseite werden. Clever genutzt, erlaubt die neue Optik sogar ganz neue Formen einer Facebook-Kampagnen-Gestaltung: Die Chronik-Strategie, die Chronik-Kampagne.

Doch Eines vorweg: Noch wissen wir nicht, welchen Funktionsumfang die Chronik für Fanpages bieten wird. Wir können daher erst einmal lediglich davon ausgehen, dasssiein Aussehen und Umfang der Timeline für Profile ähnlich sein wird. Vor allem ist aber der Status der Tabs und Apps noch nicht ganz klar. Schon weil Facebook den lukrativen Sektor der Gewinnspiele sicher nicht einstampfen wird, können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sich Apps auch in Zukunft auf der Fanpage integrieren lassen werden.

Fraglicher ist, mit welchen Mitteln sich in Zukunft die Fanpages strukturieren lassen. Die Chronik bietet momentan keinen Raum für eine individuelle Menüführung. Tabs gehören der Vergangenheit an. Das einzige Strukturierungsmittel scheint die zeitliche Abfolge der Beiträge selbst zu sein. Diesem Umstand ist es geschuldet, dass Facebook Marketing in Zukunft wohl eine strategische Komponente ganz neu definieren wird: Post-Time-Management. Konnte man darunter bisher die zeitlich richtige Platzierung eines Posts zur Sicherung der größtmöglichen Reichweite und Sichtbarkeit verstehen, wirkt sich die Post-Time in Zukunft auch merklich auf den optischen Gesamteindruck und damit auf das Visual Branding aus.

Die Chronik setzt vor allem auf Optik. Angefangen beim Timeline-Cover, das die bisher angebotenen fünf Bilder im Kopf der Seite ablöst, bis hin zu den einzelnen, nebeneinander angeordneten Beiträgen, bietet die Chronik umfangreiche Möglichkeiten, die Seite und damit das eigene Unternehmen ganz im Sinne der eigenen Strategie zu präsentieren.

Das Auge klickt mit

Die besagten fünf stetig wandernden Bilder werden in Zukunft von einer 815 mal 315 Pixel großen Grafik abgelöst. Dieses Element, gemeinsam mit dem Profilbild, wird das erste sein, was ein User von Ihrer Fanpage sieht, sofern es tatsächlich keine gesonderten Welcome-Reiter mehr geben wird. Diese Grafik sollte daher nicht nur das Wesen Ihrer Facebook-Strategie, ihres Unternehmens erfassen, sondern auch mit dem Profilbild interagieren.

Facebook Fanpage Timeline

Ein zusätzliches Gestaltungselement liefert der „Chronik Movie Maker“, eine gemeinsame Entwicklung von Facebook und der der Marketingagentur Definition 6. Gegeben, diese Erweiterung wird auch für Fanpages zur Verfügung stehen, eröffnen sich großartige Gestaltungsmöglichkeiten.

Mittels dieser App kann beim Betreten der Seite eine Filmsequenz eingespielt werden, wie sie auch etwa mit dem Windows Movie Maker erstellt werden kann und nach deren Ablauf immer das große Header-Bild gezeigt wird. Der Film wird direkt aus der Timeline heraus erstellt und kann dann eingebunden werden. Facebook gibt uns also bald die Gelegenheit, den Besuchern unserer Seite, extrahiert aus dem Inhalt der Fanpage, eine Geschichte über das Unternehmen bzw. das Produkt zu erzählen.

Zugespitzt formuliert, ist damit ein neues Marketinginstrument geschaffen – der Fanpage-Spot. Wie genau der optimale Spot gestaltet ist, ist etwas, dass es bald herauszufinden gilt. Was erwartet der Facebook-User von einem Timeline-Spot in Abgrenzung etwa zum Imagefilm auf Youtube?

Der erste, wichtige Baustein bei der Gestaltung einer Chronik-Kampagne, beim Erarbeiten einer Chronik-Strategie, ist die richtige Gestaltung des Kopfes. Dazu können wir zwar auf umfangreiche Erfahrungen bei der Gestaltung von z.B. Headern, Bannern oder Imagefilmen für Youtube zurückgreifen, müssen uns doch aber erst einmal mit den spezifischen Erwartungen vertraut machen, die ein User an ein Chronik-Design hegen könnte.

Das Auge klickt weiter

Die neue Oberfläche lädt auch unterhalb des Kopfes dazu ein, den User optisch anzusprechen. Facebook platziert die Ereignisse in der Timeline dabei zweispaltig. Dadurch entsteht ein scrollbares Nebeneinander von Posts. Die Art und Weise, wie man sich so durch die Ereignisse bewegen kann, scheint wie gemacht dazu, intelligent Grafiken einzusetzen. Anders als bisher üblich, dienen die Grafiken jetzt nicht mehr nur dazu, einen einzelnen Beitrag attraktiver zu machen und so Interesse zu wecken, sondern lassen sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen.

Die Timeline kann visuell so genutzt werden, dass zum einen die erste Impression noch verstärkt wird oder sogar – und das kann einer Chronik-Kampagne ihr Gesicht verleihen – genutzt wird, um eine auch visuell schnell greifbare Geschichte zu erzählen.

Gut veranschaulicht wird diese Idee durch eine Kampagne der Agentur McCann Digital Israel, innerhalb derer das Split-Screen-Design der Timeline genutzt wurde, um eine Foto-Story zu erzählen. Post-Time-Management wird in Zukunft auch bedeuten, den richtigen Zeitpunkt nicht nur im Hinblick auf die größtmögliche Reichweite auszuwählen, sondern auch eine gestalterische Komponente beinhalten. Einzelne Posts, graphisch gut untermalt und in der richtigen Reihenfolge eingestellt, können so ein weiteres Mittel des Visual Brandig sein. Darüber hinaus lässt sich innerhalb der Timeline, etwa unterstützend zum in den Posts kommunizierten Inhalt, eine einprägsame Bildgeschichte erzählen. In diesem Beispiel kann man etwa die Entstehungsgeschichte einer Website als Fotostory nachvollziehen.
Facebook Fanpage Timeline 2
Facebook Fanpage Timeline 3Wer einmal mit der Maus über ein Ereignis in der eigenen Timeline fährt, wird feststellen, dass sich rechts oben zwei Schaltflächen zeigen. Mit dem Stern-Button lässt sich die Größe eines Beitrags ändern.

Damit steht ein weites gestalterisches Element zur Verfügung. Von Facebook eigentlich gedacht als Mittel, favorisierte Posts oder wichtige Ereignisse auf seiner Timeline hervorheben zu können, lassen sich durch einen einfachen Klick Störer erzeugen und die Aufmerksamkeit der User lenken.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass man in solchen Fällen, in denen man ganz auf Visualisierung setzt, etwa wenn man eine Bildgeschichte erzählt, einige Einschränkungen in Kauf nehmen muss.

Die Reihenfolge und Anordnung der Posts wird durch Interaktion mit den Fans einer Seite geändert. Wer also im Rahmen einer Kampagne – etwa der Präsentation eines neuen Corporate Designs – ganz auf Optik setzen will, muss auf ein wesentliches Feature verzichten und die Interaktion mit den Fans zeitweilig einstellen, d.h. nur die Beiträge der Seite anzeigen und den Fans verbieten, an die Pinnwand zu posten. Ob diese Einstellungen letztlich aber nicht mehr schaden als nutzen, sollte genau überlegt werden.

Sinnvoller ist es, gestalterische Elemente so zu nutzen, dass der intendierte Gesamteindruck auch dann gewahrt bleibt, wenn die Fans mit der Seite interagieren. Ein Design zu kreieren, dessen wesentliche Botschaft auch dann transportiert wird, wenn sich die Anordnung der einzelnen Elemente ändert, sollte eine würdige Herausforderung für jeden guten Grafiker sein. Alternativ dazu könnte auch die ursprüngliche Anordnung der Elemente einfach durch den Timeline Movie Maker festgehalten werden, sodass die Geschichte erzählt wird, noch bevor sich die Anordnung durch Interaktion mit den Fans aufhebt. So bliebe der Plot auffindbar, ohne irgendwelche Einschränkungen bezüglich der Kkommentierbarkeit in Kauf nehmen zu müssen.

Fazit

Waren die gestalterischen Möglichkeiten einer Facebook Fanpage bisher noch recht begrenzt und die Kommunikation hinsichtlich des ausgemachten Unternehmenszieles daher noch eher textlastig, kann sich diese Situation durch die Einführung der Timeline grundlegend ändern. Dadurch, dass die Timeline von Facebook (neben dem eigenen besseren Zugang zu Nutzerdaten) offenkundig auch als optische Aufwertung der Nutzerprofile und später auch Fanpages konzipiert wurde, ergeben sich aus dem Aufbau selbst zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten. Diese Möglichkeiten nicht zu nutzen, wäre im Hinblick auf eine möglichst ganzheitliche Markenkommunikation geradezu fahrlässig. Facebook gibt den Unternehmen ein Mittel an die Hand, ihre Fanpages visuell ganz auf die eigene Marke und Strategie abzustimmen. Eine Möglichkeit, die bisher in nur sehr begrenztem Umfang zur Verfügung stand.

Für den Facebook-Marketeer wird die optische Gestaltung zukünftig also ein weit zentraleres Element der eigenen Strategie sein, als es bisher der Fall war. Besonders, da die Visualisierung in Zukunft auch über so ungewöhnliche Wege, wie das Post-Time-Management geschehen könnte. Facebook-Marketing gewinnt damit noch einmal an Tiefe und Komplexität. Mit dem 29.Februar brechen also spannende Zeiten an. Glänzende Zeiten für Grafiker, wie es scheint.

 

Der Autor dieses Gastartikels

Tino SchadeTino Schade, M.A.. DTino Schade, M.A. ist SEO-Manager bei trafficmaxx in Bremen. Weil SEO mehr Berufung als Beruf ist, geht er auch privat dieser Leideschaft nach, wie bei seinem aktuellen Lieblingsprojekt berlin-sehen.de. Twitter

 

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Jasmina

Wer schreibt hier? Jasmina

Hi! Ich bin Jasmina, die Autorin von onlinelupe.de. Seit 2010 schreibe ich hier über digitales Arbeiten und Selbständigkeit im Internet.

10 Kommentare

  1. Freuen tu ich mich leider auch keineswegs darauf, weder privat noch beruflich.

    @Christian: Ist zu einer optionalen Abschaltung schon etwas bekannt? Denn ich befürchte, diese Option wird man uns nicht anbieten…

  2. Ich bin auch kein Fan davon. Allerdings Klingt das jetzt erst ein Mal gar nicht so überl. Ich habe es ja auch schon oft gesehen und ich finde es eiigentlich eine sehr gute Lösung für Unternehmen usw. Für meine private FB seite würde ich aber am liebsten das alte Desing verwenden.

  3. Ich bin kein Fan der Chronik und werde dies auch nie werden. MIch Ärgert es schon lange, dass ich schon umgestiegen bin. Beim Privaten meine ich.

  4. Ich bin ebenfalls kein Fan der Chronik und werde freiwillig nicht umsteigen. Ich finde mich auf bereits umgestellten Profilen auch deutlich schwieriger zurecht als auf den alten. Aber eigentlich dient die Chronik ja auch nur Facebook, um noch mehr Daten zu sammeln und diese in Bares umzuwandeln. Der angebliche Usernutzen ist doch nur ein Vorwand.

  5. Pingback: 5 Dinge, die jeder über die Fanpage-Chronik wissen sollte – tlcmarketingblog

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