Stolperstein Online Business – so funktioniert´s nicht!

Online Shop Existenzgruender

Im letzten Jahr gründeten die Deutschen so viel wie noch nie zuvor. Genau genommen gründeten 935.000 Personen ein Unternehmen. Knappe 300.000 dieser Gründungen scheiterten jedoch leider schon innerhalb der ersten drei Jahre. Im Rahmen des KfW-Gründungsmonitor 2011 versuchte man die Gründe für jenes Scheitern anhand einer Befragung von 50.000 Personen zu untersuchen. Zusammengefasst und für Gründungen im Online Business aufbereitet, wurden diese unter anderem vom Online Magazin INTERNETHANDEL – hier nun meine Einschätzung.

Von Ideen, Plänen und Scheitern

Die Basis jeder Gründung: Die Geschäftsidee, entstanden und geformt im Kopf des Gründers, formuliert im Businessplan. Darin wird erst einmal auf Papier festgemacht, wie das Geschäftsmodell aussehen soll, wie sich die Zielgruppe zusammensetzt, wie diese erreicht werden will und welche finanzielle Mittel wann, wie und in welcher Höhe eingesetzt oder generiert werden müssen.

Titelblatt INTERNETHANDEL Ausgabe Nr.98 12-2012 Fehler im Online-BusinessHier beginnen die ersten Fehlerquellen: die Geschäftsidee wird gar nicht erst richtig entwickelt und durchdacht oder auch die Geschäftsidee ist gut, aber es hapert an der Umsetzung. Möglicherweise kann diese nicht allein, nicht mit den finanziellen Mitteln oder in einem nicht vertretbaren Zeitrahmen erfüllt werden.

In der Euphorie einer bevorstehenden Gründung und der Begeisterung über die eigene Geschäftsidee neigt man schnell dazu, die eigentlichen Marktchancen falsch oder viel zu optimistisch einzuschätzen. Unkritische Analysen, Betriebsblindheit führen gerade in der Gründung recht schnell zum Verlust der Kontrolle über die Entwicklung der Unternehmung.

Damit wäre man auch schon direkt beim Thema der Gratwanderung zwischen engagiertem Unternehmergeist und Selbstüberschätzung. Nein, man kann nicht alles allein machen und das sollte man auch nicht. Man muss aber auch nicht sofort Personal einstellen. Viele Kleinigkeiten können mittlerweile über Dienstleister abgewickelt werden. Dennoch wird der Alltag eines Gründers / Selbständigen nicht plötzlich entspannt und einfach – Belastungen treten gerade zu Beginn der Gründung vor allem auch im Privatbereich auf. Darauf sollte man nicht nur sich selbst, sondern auch Familie und Freunde vorbereiten, als auch die Lebenshaltungskosten in der tatsächlichen Höhe einzuschätzen.

Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen

Wahrscheinlich gibt es kaum einen Gründer, der sich nicht auch schon genau an diesem Punkt befand. Priorität haben die Prioritäten, welche unbedingt definiert werden müssen, um sich nicht in Kleinigkeiten zu verzetteln und permanent das Gefühl zu haben, nichts zustande zu bringen. Dazu findet man übrigens in Peer Wandigers SiN-Blog einen informativen Artikel zum Thema „10 Tipps für überlastete Selbständige„.

Förderungen, Finanzplanung, finanzielles Totalchaos

Einer der wesentlichsten Gründe für die Geschäftsaufgabe bzw. Insolvenzanmeldung junger Unternehmen ist die finanzielle Fehlplanung, welche nicht selten in einem  „finanziellen Totalchaos“ endet. Staatliche Fördermöglichkeiten, wie bspw. der Gründungszuschuss sollten (trotz gesetzlicher Änderungen) genutzt werden. Fataler ist jedoch die Fehleinschätzung von Kostenfaktoren, wie bspw. Büro- und Personalkosten.

Ebenfalls riskant: das Thema Fremdfinanzierung. Sich blauäugig und ohne Plan in eine Fremdfinanzierung zu begeben, ist etwas, das nicht nur das Unternehmen, sondern auch den Unternehmer sehr belasten kann.

Selbständig im Online Handel

Eine „Gefahr“, die insbesondere vom Online-Handel ausgeht, ist die immer stärkere Minderung von Gewinnen durch einen mittlerweile extremen Preiskampf, welcher durch Preissuchmaschinen zusätzlich verstärkt wird. Dies ist vor allem bei Produkten ohne „emotionale Bindung“ von Seiten des Kunden der Fall – also bspw. bei einer Waschmaschine. Um Reichweite aufzubauen, begeben sich viele Gründer mit ihrem Sortiment genau in diesen Preiskampf und können irgendwann einfach nicht mehr mithalten.

„Ich mach dann mal ´nen Online Shop“

Highjumper - HochspringerDas Schöne am Handel über einen Online Shop ist, dass die Entwicklung und Einrichtung meist deutlich weniger kostet, als die Einrichtung eines stationären Ladens, man deutlich mehr Kunden erreichen kann und es noch dazu für die vielen kleine Dinge etliche Dienstleister gibt, die einem eine ganze Menge Arbeit abnehmen können.

Damit gemeint sind Dienstleistungen wie Miet-Shops oder super günstige „Do-it-yourself-Shops“ (die es immerhin zulassen, Farbe und Logo auszutauschen) – die Barrieren Online Shop-Betreiber zu sein, sind so niedrig und so kostengünstig wie nie.

Das ist keineswegs schlecht, jedoch verleitet diese Entwicklung auch schnell zu der Annahme, so ein Online Shop ist mal eben gemacht, Produkte sind mal eben eingespielt und schon geht´s los mit dem Verkaufen.

Marketing? …das machen wir später

Das verleitet vor allem Personen, die mit der Branche nicht sehr vertraut sind, „mal eben einen Shop einzurichten“, selbständig zu sein und sich nach vier Wochen schwer zu wundern, warum denn niemand etwas kauft – geschweige denn sich überhaupt Besucher in diesem Shop tummeln – ein „Phänomen„, das ich bereits im letzten Jahr in Bezug auf einen Artikel von Karl Kratz beschrieben habe.

Karl hat die Problematik mit zwei ganz einfachen Sätzen auf den Punkt gebracht:

„Webshop muss her. Webshop ist da. Budget ist alle. Kunden bleiben aus.“ …„Ein Online Marketing Konzept ? Das kommt ganz bestimmt – Sobald der Shop online ist.“ (karlkratz.de)

Es mag etwas überzogen klingen, aber davon gehen viele künftige Online Shop-Betreiber tatsächlich aus. Das ist im Grunde nichts anderes als ein fataler Fehler, der auch in der INTERNETHANDEL mit dem Titel „Die 50 folgenschwersten Fehler im Online-Handel“ detailliert beschrieben wird, da solch eine „Haltung“ viele Folgen mit sich bringt, die später bitter gebüßt werden.

Das beginnt bei der Wahl einer ungünstigen URL, einer nutzerunfreundlichen Aufmachung des Shops, damit einhergehend auch fehlender Vertrauenswürdigkeit, der Überfrachtung des Shops (mit meist für den Nutzer irrelevanten Informationen), holprigen Checkout-Prozessen, völlig übertriebenem Cross- und Upselling während die „einfachen“ aber essentiellen Dinge, wie Produktabbildungen, Kurz- und Langbeschreibungen von Produkten und Kategorien völlig lieblos und mit niedriger Priorität behandelt und vernachlässigt werden.

Ähnliches „Konzept“ zieht sich schließlich auch durch die Präsentation und (nicht vorhandene) Kommunikation in sozialen Netzwerken, das Suchmaschinenmarketing, sowie weitere Formen des Online Marketings.

Fallstrick „Recht“

Die rechtliche Komponente eines Online Shops kann ebenso zur Gefahr der Selbständigkeit werden. Am falschen Ende gespart, kann eine Abmahnung schnell ziemlich teuer und existenzgefährdend werden. Mit Sicherheit lassen sich viele Informationen zu rechtlichen Angelegenheiten, Gesetzesänderungen etc. auf Blogs wie spreerecht.de oder auch im shopbetreiber-blog nachlesen. In die Unterstützung eines Rechtsanwaltes zu investieren, der den Einzelfall betrachtet und einschätzt, kann jedoch nicht schädlich sein.

Fazit

Nein, natürlich ist niemand vor Fehlern gefeit und von Beginn an wirklich alles absolut richtig zu machen, das funktioniert schlichtweg nicht. Dennoch finde ich die Thematik, die in der aktuellen INTERNETHANDEL aufgegriffen wurde, mehr als wichtig – denn wer spricht schon gern über das Scheitern oder Fehler? Viel häufiger liest man von Erfolgsgeschichten, von Start-Up-Unternehmen, die nach kurzer Zeit schon für Millionen verkauft werden. Solche Geschichten lesen sich schön, doch für den „Normalo-Selbständigen“ hat das in der Regel selten etwas mit der eigenen Realität zu tun. Insofern halte ich es für wichtig und richtig, sich als Gründer auch mit den Dingen zu beschäftigen, die mal nicht so gut und schön laufen können und sich bestmöglich darauf vorzubereiten.

… Für diejenigen, für die es nicht gleich das ganze Magazin sein muss, steht übrigens auch eine Leseprobe der INTERNETHANDEL bereit.

Bildquelle: aboutpixel.de / Highjumper – Hochspringer © Andreas Ludwig

Stolperstein Online Business – so funktioniert´s nicht!
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Jasmina

Wer schreibt hier? Jasmina

Hi! Ich bin Jasmina, die Autorin von onlinelupe.de. Seit 2010 schreibe ich hier über digitales Arbeiten und Selbständigkeit im Internet.

6 Kommentare

  1. Oh ja, viele der genannten Punkte kommen mir sehr bekannt vor – teils von mir selbst, teils von dem einen oder anderem meiner Kunden.
    Vor allem das eCommerce Business stellen sich viele mehr als einfach vor: „Ich lasse mir mal nen Shop aufsetzen und der arbeitet dann für mich…“

  2. Hallo,
    erstmal sehr guter Artikel, aber mich wundert die Zahl. 935.000 Gründungen in einem Jahr? Und nur 300.000 gehen davon in 3 Jahren wieder kaputt? Das sind ja mal wirkliche Massen. Ich hätte die Zahl der funktionierenden Unternehmen dann doch deutlich niedriger eingeschätzt. Gibt es auch eine Zahl, wie sich das nochmal nach 5 bzw. 10 Jahren verschiebt? Wäre doch sehr interessant zu sehen.

    mfG

    Marc

  3. Ein sehr interessanter Bericht den ich mit ganz viel Aufmerksamkeit gelesen habe.

    Denn es gibt derzeit überlegungen meinerseits einen Online Shop vielleicht nebenberuflich zu eröffnen und versuche mich mit diesem Thema derzeit massiv auseinander zu setzen.

    Die Idee einen Online Shop anzubieten entstand aufgrund vieler Nachfragen letzte Saison ob ich nicht auch was besorgen könnte.

    Dabei entstand die Internetseite vor ca. 3 Jahren als reines privates Projekt und hat eine Dynamik erreicht die ich so nie erwartet habe.

    Also noch einmal, dieser Bericht war für mich sehr hilfreich. :-)

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